Was sind Kooperationsvereinbarungen?

von Roland Grüttner, Rektor

Seit dem Jahr 2004 schließen wir mit Betrieben, Geschäften, Kanzleien und anderen Einrichtungen Kooperationsvereinbarungen. Diese Vereinbarungen verfolgen das Ziel, die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft zu optimieren.

A. Das Entwicklungsfeld Schule - Wirtschaft

A1. Ausbildungsplatzsuche

Es wird für Volks- und Hauptschüler immer schwieriger, eine Ausbildungsstelle zu finden. Das gilt leider auch für unsere Schüler und selbst dann, wenn diese nachweislich gut und zuverlässig arbeiten. Auch unsere Schülerinnen und Schüler leiden unter den allgemeinen Konjunkturproblemen, die sich in Deutschland auf Grund des Strukturwandels vermutlich noch verschärfen werden.

In jüngster Zeit erleben wir drei Entwicklungen, die uns hoffnungsvoll stimmen:

  • Geschäfte und Betriebe entscheiden sich für Ausbildungs-KandidatInnen in der Regel erst nachdem sie diese in einem Praktikum erlebt haben. Dies bestätigt unser Vorhaben, den SchülerInnen möglichst viele Anlaufstellen für Praktika zu verschaffen.
  • Ausbildungsbetriebe achten zunehmend auf einen guten Mix von Azubis mit Qualifizierendem Hauptschulabschluss und Mittlerer Reife, so dass nicht mehr automatisch die RealschülerInnen oder AbiturientInnen bevorzugt werden.
  • In Sachen Persönlichkeit, Kommunikation und Umgangsformen können unsere Schülerinnen immer wieder punkten.

A2. Kontakt als Struktur

Wir waren schon immer daran interessiert, den Kontakt zwischen Schule und Wirtschaft zu intensivieren: durch Praktika bereits ab der 7.Klasse, durch zahlreiche Betriebserkundungen, durch den Aufbau einer Datenbank, durch Planspiele etc. Dieser Kontakt wird durch die formell vereinbarten Kooperationen weniger zufällig und punktuell, dafür aber langfristiger angelegt.

A3. Ungenutzte Ressourcen

Vorstand, Elternbeirat und Schulleitung der Montessorischule Dachau erfassen die Kompetenzen der eigenen Elternschaft systematisch und rufen diese ab. Unsere Eltern sind für die Schule eine Ressource mit hohem Potenzial, weil viele noch mehr Kompetenzen im täglichen Schulbetrieb einbringen könnten. Dazu zählen unter anderem die persönlichen, beruflichen oder betrieblichen Kontakte der Eltern, die es für die Schule zu aktivieren gilt.

A4. Lebenspraktischer Unterricht

Unser Unterricht in der Sekundarstufe, so praktisch er auch in vielen Bereichen schon ist, kann insgesamt noch mehr Praxisbezug vertragen. Als Modell gelten uns immer noch Maria Montessoris Ausführungen in ihrem so genannten "Erdkinderplan". Auch die positiven Beispiele aus den Waldorfschulen, in denen Schüler unter Umständen sogar ein Handwerk erlernen können, sind für uns vorbildlich. Auf diesem Weg benötigen wir Kooperationspartner, die uns mit ihrem Know-how zur Seite stehen.

B. Kooperation Schule - Wirtschaft

Unsere Montessori-Schule Dachau unternimmt einen wichtigen Schritt in eine gute Zukunft, wenn wir die Zusammenarbeit mit "der Wirtschaft" verbessern. Ein erprobtes Instrument dafür sind eben die Kooperationsvereinbarungen. Es handelt sich dabei um ein Konzept, das in Bayern erst langsam Fuß fasst, und wir verstehen uns auf diesem Feld als Pioniere.

B1. Kooperationsvereinbarungen

Es ist ganz einfach: Ein Betrieb / Unternehmen / Geschäft schließt mit der Schule eine Kooperationsvereinbarung, in welcher eine intensive Zusammenarbeit geregelt wird.

Die Zusammenarbeit kann es in zwei Richtungen geben:

  • in den Betrieb hinein: Schüler besuchen einzeln oder in der Gruppe das Unternehmen bei Betriebserkundungen, Führungen oder Praktika.
  • in die Schule hinein: Experten aus dem Betrieb stellen ihren Beruf im Klassenzimmer vor, erläutern wirtschaftliche Zusammenhänge, die betriebliche Sozialstruktur, technische Abläufe, naturwissenschaftliche Hintergründe usw., je nach dem, was ihr Spezialgebiet ist.

Für unser "Planspiel Bewerbungsgespräch" bilden unsere Kooperationspartner einen Pool von Experten, die mit den Schülern in einem Mix aus Spiel- und Ernstcharakter die so entscheidende Situation einer Bewerbung vorwegnehmen und ihnen eine wichtige Rückmeldung zu ihren Stärken und Schwächen geben.

Natürlich kann ein Betrieb um so mehr Dinge abdecken, je größer er ist. Aber auch mit kleineren Geschäften und Betrieben kann kooperiert werden, sofern sie nur bereit sind, einige Stunden im Jahr in diese Zusammenarbeit zu investieren.

B2. Nutzen für die Schule

Der Nutzen einer solchen Vereinbarung für die Schule dürfte unmittelbar einleuchten; man muss nur die Punkte A1 bis A4 durchbuchstabieren:

Ausbildungsplatzsuche
Wenn gute Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen vorhanden sind, werden sich unsere SchülerInnen leichter tun bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Kontakt als Struktur
Wenn es die Kontakte strukturell gibt, müssen sich Schüler und Lehrkräfte nicht immer wieder neu auf die Suche machen um Praktikumsbetriebe oder Ansprechpartner zu finden.

Ungenutzte Ressourcen
Die Beziehungen, die unsere Eltern in Ihrem beruflichen Umfeld haben, können genutzt werden; sie können ihre Elternarbeit sinnvoll und kompetent auch damit einbringen.

Lebenspraktischer Unterricht
Der Unterricht in der Sekundarstufe wird lebenspraktischer, indem er noch häufiger von realen Situationen, Zusammenhängen und Problemstellungen ausgeht, für die wir in unseren Schulstunden das fachliche Instrumentarium anbieten.

B3. Nutzen für die Wirtschaftspartner

Welchen Nutzen hat das Ganze für die größeren oder kleineren Unternehmen?

Die Unternehmen können bei den Schülerinnen und Schülern auf ein größeres Verständnis für wirtschaftliche und technische Zusammenhänge und für die Berufswelt allgemein hinarbeiten und auf diese Weise dafür sorgen, dass die Schüler keinen Illusionen folgen, wenn sie sich für einen Beruf und einen bestimmten Ausbildungsplatz entscheiden.

Die Unternehmen können ihre soziale Ausrichtung und ihre Zukunftsfähigkeit demonstrieren. Es darf an diesem Punkt auch Werbung in eigener Sache betrieben werden: Ein Zeitungsbericht über einen Kooperation zwischen Betrieb und Schule sorgt mit Sicherheit für ein positives Image.

C. Wie wird das Ganze in die Tat umgesetzt?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

Entweder kennen unsere Schülereltern einen Betrieb oder ein Geschäft, das in ihren Augen geeignet ist, weil sie gute Erfahrungen gemacht haben. Dann empfehlen sie uns eine Kontaktaufnahme.

In den vergangenen Jahren haben wir zunehmend erlebt, dass die interessierten Partner von sich aus auf uns zugekommen sind und eine Kooperation angeboten haben. Unser Konzept hat sich also bereits herumgesprochen und stößt auf positive Resonanz.

Es folgt die Zusendung einer Mustervereinbarung und anschließend ein persönliches Gespräch um die gemeinsame Grundlage festzuhalten. Wenn alles passt, wird die Vereinbarung feierlich unterzeichnet.

D. Wie ist der Stand der Dinge?

Im Sommer 2015 haben wir 36 Kooperationspartner.

Mustervertrag

Hier können Sie die Mustervereinbarung der Kooperation ein­sehen.

Kontakt

Interessierte Unter­neh­mer können gerne Rektor Roland Grüttner kontaktieren.