Evaluiert - Wie externe Fachleute unsere Schule sehen

Am 1. Juni 06 haben wir nicht nur den ersten Spatenstich für den Bau unserer neuen Schule erlebt, sondern wir haben am Nachmittag auch noch den Bericht der externen Evaluatoren entgegen genommen. Die Mehrheit des Kollegiums nebst Vertretern des Vorstands und des Elternbeirats lauschten interessiert und stellenweise nahezu andächtig den Ausführungen von Herrn Sartoris, dem Kopf des Evaluationsteams. Sehr oft hörten wir von ihm den Satz: "Das erachten wir als eine große Stärke, oder vielmehr: Das ist eine große Stärke." Mit dieser Selbstkorrektur unterstrich er, dass die Ergebnisse der Externen Evaluation Objektivität beanspruchen.

Naja, das kann uns nur recht sein. Zusammengefasst sieht die Beurteilung unserer Schule so aus: Von 28 Auffälligkeiten (nur solche werden im Bericht erwähnt) werden 23 als Stärken erachtet und 5 als Schwächen. Die genaue prozentuale Verteilung zeigt das beigefügte Schaubild.

Evaluation Gesamturteil Schule

Schwächen! Schwächen?

Zur Erinnerung: Wir haben uns auf die Externe Evaluation eingelassen mit Blick auf die Möglichkeit, dass wir von den Fachleuten auf Punkte hingewiesen werden, die wir auf Grund einer gewissen Betriebsblindheit selbst nicht (mehr) deutlich genug wahrnehmen. Deshalb werde ich an dieser Stelle die wahrgenommenen Schwächen etwas genauer beschreiben und zu verstehen versuchen, ob und wie wir uns hier verbessern können.

Ich beginne mit unserer einzigen großen Schwäche: "Die Schule führt keine Vergleichsarbeiten durch (...) und lässt damit deren Möglichkeiten ungenutzt." In durchaus positiver Weise werden uns die zentral gestellten Orientierungsarbeiten der Grundstufe und die Jahrgangsstufentests der Sekundarstufe als Möglichkeiten der Qualitätsverbesserung anempfohlen.

Nun, diese Zentralarbeiten unterstellen, dass alle Schüler einer Jahrgangsstufe zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Lernstand haben sollten. Diesen Standard versuchen wir auch zu erreichen - allerdings erst in der zweiten Hälfte der 4., 9. und 10. Jahrgangsstufe. Dann müssen und können unsere Schüler im Probeunterricht und in den Abschlussprüfungen beweisen, dass sie ein objektiv gutes Niveau erreicht haben. In den Jahren dazwischen versuchen wir aber gerade nicht im Gleichschritt voranzumarschieren, sondern in einem individuell angepassten Tempo zu unterrichten. Deshalb nutzen wir Lehrkräfte die Orientierungsarbeiten für die 2. und 3. Jahrgangsstufe und die Jahrgangsstufentests für die 7. und 8. Jahrgangsstufe auch nur individuell.

Nun zu unseren weiteren vier Schwächen:

  1. Die erste attestierte Schwäche liegt im Bereich der Lehrerfortbildung: "Ein konkreter SchiLF Plan und kollegiale Hospitation existieren nicht." Das Kürzel SchiLF steht für "schulhausinterne Lehrerfortbildung" und "kollegiale Hospitation" sind gegenseitige Unterrichtsbesuche. Es stimmt, dass wir unsere pädagogischen Themen in den Teamsitzungen tendenziell spontan festlegen, wenn ein bestimmter Bedarf vorhanden ist. Anteile langfristiger Planung können hier nicht schaden. Die kollegialen Hospitationen sind eine aktuelle (wenn auch sinnvolle) Art Modeerscheinung an staatlichen Schulen. Die Lehrer müssen sich die Zeit für gegenseitige Unterrichtsbesuche aus den Rippen schneiden, weil es dafür keine einzige Sekunde vom Kultusministerium gibt. Bei uns ist die Notwendigkeit der kollegialen Hospitation nicht so groß, da wir Pädagogen erstens grundsätzlich intensiven Austausch miteinander pflegen (ich erinnere an die wöchentlichen Teamsitzungen) und uns zweitens die pädagogischen Begleiterinnen mit ihren Beobachtungen in Unterricht und Freiarbeit ein sehr hilfreiches Feedback geben.
  2. Eine zweite Schwäche sehen die Evaluatoren darin, dass den Schülern unser Regelsystem (Schulordnung + Ergänzungen) wenig bewusst ist und oft nicht als einheitlich wahrgenommen wird. Und: "Für die Grundstufe gibt es keine schriftlich fixierten Regeln." Das empfinde ich als hilfreichen Hinweis; an diesem Punkt werden wir arbeiten müssen.
  3. Von einer dritten Schwäche reden die externen Fachleute im Hinblick darauf, dass wir zwar vor wenigen Jahren eine Befragung zur Schulentwicklung durchgeführt, diese aber "nicht weitergeführt und im Sinne der Qualitätssicherung durch Selbstevaluation und/oder Schülerbefragungen regelmäßig ergänzt" haben. Da muss ich etwas schmunzeln, denn die von den Experten durchgeführte Externe Evaluation ist ja gerade diese angemahnte Weiterführung! Ich habe mich unter anderem auch deshalb so um diese Evaluation bemüht, weil das Entwerfen und Auswerten einer Umfrage eine so umfangreiche Arbeit ist, dass wir das aus unseren eigenen Möglichkeiten heraus nicht mehr so schnell leisten können. Im Rahmen der Externen Evaluation allerdings war das kein Problem, weil alle Strukturen dafür vorhanden waren und genutzt werden konnten. Oder um es so auszudrücken: Die im Zusammenhang mit der Evaluation anfallenden Kosten für pädagogische Experten und wissenschaftliche Hilfskräfte trägt der Freistaat. Dafür sage ich ausdrücklich: Danke!
  4. Letzte Schwäche: "Der Einsatz des Computers konnte nur an zwei Beispielen beobachtet werden. Die Hauptschüler wünschen sich außerhalb des Fachunterrichts eine regelmäßigere Computernutzung". Dieser zweite Satz wurde mit allgemeinem Gelächter quittiert. In der Tat würden viele Hauptschüler gern mehr am Computer machen; dieses hätte allerdings nicht immer etwas mit produktiven Inhalten zu tun, sondern ließe sich auf die kurze Formel bringen "surfen, chatten, spielen". Es hängt wohl mit den Zufälligkeiten der Unterrichtsbesuche und den Vorlieben der jugendlichen Gesprächspartner zusammen, dass die Evaluatoren hier einen Mangel wahrnehmen. Wenn wir nur einmal die Sekundarstufe ins Auge fassen, dann stellen wir fest: Jeder Schüler lernt im KTB-Unterricht ab der 7. Klasse den grundsätzlichen Umgang mit dem Computer, mit Windows und Word. Ab der 8. Klasse gibt es Informatik als Wahlfach, in dem Excel, Powerpoint, Access und die Erstellung von Websites auf dem Programm stehen. Falls es zu den Anforderungen in den Prüfungen gehört, wird auch der Umgang mit einem CAD-Programm gelehrt. Selbst Hauswirtschaft schließt den Umgang mit dem Computer ein! Das sind nur Beispiele aus dem weiten Feld der Computernutzung an unserer Schule. Grundsätzlich sind wir Pädagogen uns einig, dass wir die Kinder nur so viel wie wirklich nötig vor diesen Kasten setzen wollen. Im Zweifelsfall suchen wir lieber die unmittelbare Begegnung.

Wenn wir dies alles zusammenfassen, dann nehmen wir als Anregungen für die Verbesserung unserer pädagogischen Arbeit diese zwei Punkte auf: Unsere schulhausinterne Lehrerfortbildung soll planvoller werden, und unser Regelsystem sollte für die Schüler transparenter und präsenter sein. (Um einem an dieser Stelle häufigen Missverständnis zuvorzukommen: Ja, die Schüler sind an der Fortschreibung der Verhaltensregeln beteiligt; dafür gibt es das Schülerparlament der Grundstufe, die Klassensprecherversammlung der Sekundarstufe und das Schulforum, in welchem die Schülersprecher gemeinsam mit Eltern- und Lehrervertretern Sitz und Stimme haben.)

Stärken? Stärken!

Wo liegen unsere Stärken? Ich möchte sie hier nur summarisch aufzählen; an anderer Stelle werden sie zitiert:

  • In der "Arbeit des Kollegiums" (= kollegiale Zusammenarbeit, berufliche Weiterentwicklung, Fortbildung und Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben): drei große Stärken und eine Schwäche (oben Nr.1).
  • In der "Schulkultur" (= Schulklima, Schulleben, Mitwirkung von Schülern und Eltern, Öffnung der Schule, außerunterrichtliche Veranstaltungen): vier große Stärken, eine Stärke, eine Schwäche (siehe Nr.2).
  • In "Schulentwicklung und Schulprofil" (= Schulentwicklungsprozess und Qualitätssicherung): eine große Stärke, eine Stärke, eine Schwäche (oben unter Nr.3 ausgeführt).
  • In der "Unterrichtsqualität" (= Klassenführung, Unterrichtsklima, Motivierung, Strukturiertheit, Zielorientierung, individuelle Unterstützung, selbstständiges Lernen, Variabilität der Unterrichtsformen, Lernerfolgssicherung): acht große Stärken, vier Stärken, eine Schwäche (Computernutzung).
  • "Zufriedenheit" bei Schülern, Eltern, Lehrkräften: große Stärke.

Wie Sie sehen können, überwiegen auf jedem Feld die (großen) Stärken. Dinge, die im mittleren Bereich liegen - die also gewissermaßen "okay" sind - werden von den Evaluatoren grundsätzlich im Abschlussbericht nicht erwähnt. Es erscheinen nur die großen Ausschläge nach oben oder unten.

Was machen wir nun mit diesen Ergebnissen?

Diese Ergebnisse bestätigen den Weg auf dem wir uns in Richtung Zukunft bewegen. Uns wird attestiert, dass wir erheblich mehr Stärken zu verbuchen haben, als Schwächen. Das ist schon mal sehr erfreulich! Was wir mit diesen Ergebnissen nicht machen, sei auch gleich gesagt: Wir werden uns nicht vergleichen! Damit würden wir nicht nur dem Geist der Externen Evaluation widersprechen, der (noch) ausschließlich auf die Verbesserung der einzelnen Schule zielt und ausdrücklich nicht auf ein Ranking, und zum anderen dürfen wir nicht übersehen, dass wir an unserer Schule erheblich bessere Rahmenbedingungen haben als fast jede Regelschule.

Was machen wir Pädagogen?

Wir werden - wie oben bereits ausgeführt - die Anregungen der Evaluatoren prüfen und versuchen unsere pädagogische Arbeit weiter zu verbessern.

Was machen Verein und Vorstand?

Um es unverblümt zu sagen: Auf's Blech hauen! Die Ergebnisse der Externen Evaluation sind für unsere Schule so unerwartet positiv, dass Verein und Vorstand damit Werbung machen können und müssen. Ich sehe dabei folgende Bereiche:

  • Werbung, um die Schülerzahlen zu steigern: Wir wollen ja mit Umzug in den Neubau unsere Schülerzahl von jetzt 275 auf dann mindestens 360 erhöhen. Wir könnten die 10. Klasse aufstocken und überlegen uns eine Oberstufe für die Montessori-Schule Dachau. Wenn die potenziellen Kunden hören, dass wir eine objektiv gesehen gute Schule sind, fassen sie leichter Vertrauen.
  • Werbung, um gute Pädagogen zu gewinnen: Mit der Steigerung der Schülerzahlen ergibt sich die Notwendigkeit, gute Lehrkräfte und Begleiter zu finden. Ein gutes Evaluationsergebnis wird uns hoffentlich diese guten (und leider auch sehr knapp vorhandenen) Pädagogen zuführen.
  • Werbung, um Kooperationspartner zu gewinnen: Unsere Abschluss-Schüler sind darauf angewiesen, dass wir zahlreiche und die richtigen Partner aus der Wirtschafts- und Geschäftswelt finden, bei denen sie ihre Praktika absolvieren können und hoffentlich eine Ausbildungsstelle finden. Um ihretwillen dürfen wir uns nicht in falscher Bescheidenheit üben, sondern müssen es für potenzielle Kooperationspartner interessant machen, in einem positiven Kontext mit unserer Schule zu stehen.

Was machen Sie, die Eltern?

Ihnen wird nun objektiv bestätigt, dass Sie Ihr Geld und Ihre Zeit in eine gute Schule investieren. Das sollte Sie beruhigen. Je nach dem, wie lange Sie schon bei uns sind, haben Sie selber ja dazu beigetragen, dass die Ergebnisse der Externen Evaluation so positiv ausgefallen sind.

Was machen die Schüler?

Manche Schüler erzählen uns, dass sie "angemacht" werden, weil sie auf eine "Depperlschule" gehen. Die Montessorischule wird zuweilen immer noch für eine Förderschule gehalten, die von defizitären Kindern reicher Eltern besucht wird. Unsere Schüler können dem nun entgegen halten, dass wir die staatliche Bestätigung dafür erhalten haben, eine Volksschule mit viel mehr Stärken als Schwächen zu sein.

Evaluation Gesamturteil Schulleitung

Und die Schulleitung?

Susanne Hribar und ich wurden eigens evaluiert. Das Diagramm zeigt, dass wir sehr zufrieden sein können: Zehn Stärken - fast alles "große Stärken" - und eine große Schwäche.

An dieser Stelle möchte ich den Blick zurücklenken zur letzten Nummer der Monte-Z, in welcher ich die Externe Evaluation eingeführt und unter anderem behauptet habe, dass es wünschenswert sei, wenn bestimmte Schwächen ans Tageslicht kämen. In diesem Zusammenhang habe ich auf das widersprüchliche Verhalten des Kultusministeriums hingewiesen, den Schulleitern immer neue Aufgaben aufzugeben, ohne ihnen gleichzeitig ein angemessenes Zeitkontingent dafür zu gewähren. Wir können einfach nicht alles Erforderliche tun (zum Beispiel schulhausinterne Fortbildungspläne schreiben)!

Unsere "große Schwäche" - wir führen keine formellen Mitarbeitergespräche - resultiert aus einem bewussten "Mut zur Lücke", weil wir an irgend einer Stelle Abstriche machen müssen und wollen, dass dieses Feedback an das Kultusministerium zurückkommt. Gott sei Dank haben wir ein Kollegium, das durch ein sehr hohes Maß an Selbstständigkeit diese Lücke weitgehend zu schließen hilft!

Summa summarum:

Der Weg ist gut, auf dem wir uns bewegen. Das haben wir jetzt auch "amtlich". Aber es gibt immer Raum für Verbesserungen. Von wem stammt eigentlich der Spruch: "Das Bessere ist der Feind des Guten"?